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Umgepolte Energie

Wer kennt das nicht: Gewisse Emails sind derart nervig – ich nenne sie mal Nerv-Mails -, dass sie den Blutdruck und den Puls in die Höhe steigen lassen. Der Körper scheint Energie mobilisieren zu wollen, die man in dieser Form nicht verwenden kann. Zudem fühlt sich dieser Zustand nicht gut an und es kann wohl auch nicht sonderlich gesund sein. Ich nenn das mal der Einfachheit halber „negativ gepolte Energie“.

Liesse sich diese Energie nicht irgendwie positiv umpolen? Mit Freude „delete“ drücken? Das reicht mir nicht, das klingt eher nach glorifiziertem Selbstbetrug. Aber halt: Erhöhten Puls und Blutdruck braucht es doch auch bei sportlicher Betätigung! Wenn man nun den Zeitpunkt der Kenntnisnahme dieser Nerv-Mail so steuern könnte, dass man sie gerade dann – sozusagen positiv umgepolt – für eine erwünschte Tätigkeit verwenden könnte? Probieren geht über studieren!

Um es gleich vorwegzunehmen: Das erste experimentelle Resultat ist überaus vielversprechend! Doch alles der Reihe nach: Heute um 9:07 kriege ich wieder einmal ein Mail unserer Nachbarn, das man mit gutem Gewissen als Nerv-Mail erster Güte bezeichnen kann – also ein äusserst geeigneter Kandidat für ein solches Experiment. Mit etwas Selbstdisziplin versuche ich die Mobilisierung der negativ gepolten Energie noch einige Stunden aufzuschieben – nämlich solange bis ich auf einer Velofahrt vor dem Aufstieg auf den höchsten Punkt in der näheren Umgebung bin. Dann rufe ich gedanklich den Inhalt der Nerv-Mail wieder ab und lege los. Meine bisherige persönliche Bestleistung für diesen Sprint konnte ich massiv verbessern. „PR auf RMVZOL Pfannenstiel Hochwacht“ lese ich nach der Ausfahrt in meinem Strava-Profil. Wenn das nicht die Hypothese der Umpoling negativ gepolter Energie stützt! Und als Nebenprodukt weiss ich nun auch bereits, wie ich auf diese Nerv-Mail reagieren werde.

Nur ist das mit der Selbstdisziplin und des gedanklichen Wiederabrufs noch etwas unbefriedigend. Wie könnte man das Timing besser in den Griff kriegen, mit etwas Technik vielleicht? Ein möglicher Ansatz: Mit einem geeigneten Filter Nerv-Mails nicht in die Inbox abliefern, sondern auf den Postweg umleiten. Das lässt sich mit Online-Diensten wie pingen.com unterstützen. Dann könnte ich den ungeöffneten Brief in die Tasche stecken und warten bis sich eine geeignete Gelegenheit ergibt. Schliesslich ist meine Rangierung in vielen Strava-Segmenten der Gegend durchaus noch verbesserungswürdig.

Aber braucht es wirklich Papier, ginge es nicht auch ohne Medienbruch? Liebe App-Entwickler, ich habe eine Idee für euch: Möchte jemand eine App entwickeln, die Nerv-Mails identifiziert, in Quarantäne steckt und diese kurz vor einem geeigneten Strava-Segment laut vorliest? Ich melde mich gleich als Beta-Tester. Und noch eine Bitte: Seht einen Filter vor, der auf Musikhasser und Anstandsverletzungen anspricht und sich nicht durch zuckersüsse Formulierungen ablenken lässt.

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