Velodemo 2016, Zürich

Verkehrshindernisse

Der Blogger OHH dürfte vielen verkehrstechnisch geplagten Zeitgenossen aus der Seele sprechen, wenn er die Ursachen für Verkehrshindernisse wie folgt priorisiert aufführt (kopiert von http://ohher.de/Hindernisse.htm am 25.9.2016):

  1. Baustellen
  2. Die Polizei
  3. Auf Fahrbahn oder Wegen stehende Fahrzeuge
  4. Schnee, Überschwemmungen, Wind usw.
  5. Überschilderung inklusive Ampeln
  6. Straßenfeste & Weihnachtsmärkte
  7. Kopfsteinpflaster & andere Straßenschäden
  8. Demonstrationen, Kundgebungen
  9. Granulat, Rollsplitt usw.
  10. Unfallstellen

Allerdings teile ich diese Einschätzung nicht und das liegt an drei Dingen: die Einseitigkeit, die Fixierung auf die Opferrolle und der fehlende wichtigste Punkt. Aber nun alles schön der Reihe nach…

Die Mobilität ist ein wichtiges Bedürfnis, das ist klar. Unsere Gesellschaft unternimmt sehr viel um sie zu gewährleisten – nennen wir mal die Baustellen, die Polizei und den Aufwand für die Verkehrsregelung – und akzeptiert viele der damit im Zusammenhang stehenden Nachteile – wie z.B. die Unfälle und deren Auswirkungen. Aber sie steht in Konkurrenz mit anderen Bedürfnissen und diese dürfen wir nicht ausblenden. Jedenfalls sollten wir nicht a priori ausschliessen, dass Straßenfeste & Weihnachtsmärkte, Demonstrationen, Kundgebungen und historische Strassenbeläge auch mal ein wichtigeres Gut darstellen als eine ungestörte Vorbeifahrt. Und sind nicht gerade Baustellen und die Polizei die wichtigsten Garanten dafür, dass die Mobilität auch künftig gewährleistet werden kann und z.B. Strassenschäden beseitigt werden?

Das vordergründig angenehme an dieser Liste ist dem Umstand geschuldet, dass diese Liste nur Hindernisse aufführt, die durch „die Anderen“ verursacht werden. Wir werden so nicht zum Täter, sondern bleiben immer in der Opferrolle. Baustellen sind meist nicht einfach plötzlich da. Üblicherweise wird sich die Polizei dafür einsetzen, dass sie rechtzeitig und ausreichend beschildert werden, dass geeignete Umfahrungsmöglichkeiten bestehen und dass diese kenntlich gemacht werden. Wir können uns also bewusst dafür entscheiden diese Stelle zu meiden und eine andere Route zu wählen, oder diese trotzdem als weiterhin beste Option beizubehalten. So betrachtet wählen wir selber die Baustellen aus, die uns im Weg stehen, und nicht umgekehrt.

Zudem werden einige der aufgeführten Hindernisse erst in Kombination mit einem weiteren Umstand zu einem echten Hindernis: es braucht viele andere Leute mit dem gleichen Verhalten. Eine Baustelle ist nicht per se ein Hindernis, sondern erst dann, wenn die eingeschränkte Kapazität wegen vieler anderer Verkehrsteilnehmer nicht mehr ausreicht. Man könnte also mit Fug und Recht „die Anderen“ als die ursächliche Verkehrsbehinderung bezeichnen.

Deshalb zum Abschluss mein Vorschlag: führen wir als Verkehrshindernis Nr. 1 doch gleich die Verkehrsteilnehmer selber (aber natürlich nur „die Anderen“). Behalten wir das mal für einen Moment im Hinterkopf und lassen uns diesen Ausschnitt aus dem Schweizerischen Strassenverkehrsgesetz (Art. 4 , Absatz 1) genüsslich auf der Zunge zergehen:

Verkehrshindernisse

1 Verkehrshindernisse dürfen nicht ohne zwingende Gründe geschaffen werden; sie sind ausreichend kenntlich zu machen und möglichst bald zu beseitigen.

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